Elli fordert den Nahverkehr

Sturmtief Elli hatte den Nahverkehr am zweiten Januarwochen­ende im Griff. Elli kam nicht plötzlich, sodass sich die Branche darauf vorbereiten konnte.

Akkuzug
© nordbahn, © Steve Schneider

NAH.SH hat bei der Pressesprecherin der nordbahn, Kathrin Freist, nachgefragt, wie man sich dort auf Sturm und Schnee eingestellt hat.

Was waren die ersten Schritte, die aufgrund des bevorstehenden Winterwetters bei der nordbahn eingeleitet wurden?

Kathrin Freist: Der Deutsche Wetterdienst hatte rechtzeitig eine Unwetterwarnung herausgegeben. Wir haben daraufhin sofort gehandelt und einen Krisenstab einberufen. Der hat die Gesamt­situation und Lage an den einzelnen Strecken dauerhaft beobachtet und analysiert. Auch die Teams in den Leitstellen und im Notdienst wurden aufgestockt.

Was genau gefährdet den Betrieb bei einem solchen Winterausbruch?

Kathrin Freist: Der sichere Betrieb von Zügen ist nur möglich, wenn die Strecke befahrbar ist. Anhaltende Schneefälle und aufkommender Sturm haben am besagten Wochenende starke Schneeverwehungen auf den Gleisen verursacht, zahlreiche Weichen waren festgefroren – da ging nichts mehr. Insbesondere auf den Linien mit vielen umliegenden Freiflächen. Die Schneefräsen sind nicht hinterhergekommen. Auch unsere Züge in der zugeschneiten Anlage in Hamburg-Altona konnten nicht befreit und von daher auch nicht eingesetzt werden.

Wann können Strecken grundsätzlich wieder freigegeben werden?

Kathrin Freist: Für die Freigabe einer Strecke muss der zuständige Infrastrukturbetreiber grünes Licht geben – er ist auch für die Schneeräumung zuständig. Erst wenn durch ihn gewährleistet ist, dass eine Strecke wieder sicher zu befahren ist, können dort auch Züge wieder fahren. Zur Streckenerkundung haben wir auch eigene Züge – natürlich ohne Fahrgäste – losgeschickt. Trotz enger Abstimmung mit der DB InfraGO haben wir aber keinen Einfluss auf die Zeitpläne, wann welche Strecken geräumt werden.

Was steht in einer solchen Ausnahmesituation im Fokus?

Kathrin Freist: Das ist die Sicherheit unserer Fahrgäste und natürlich auch der Kolleg*innen. Sollte ein Zug bei solchen Witterungen auf der Strecke steckenbleiben, kann eine Evakuierung schwierig werden, denn auch Straßen und Zufahrtswege sind von den winterlichen Verhältnissen betroffen.

Das Sturmtief war zum Glück nicht ganz so schlimm wie erwartet. Der Regelbetrieb konnte früher wieder aufgenommen werden als vorhergesehen. Vielen Dank an alle Verkehrsunternehmen und deren Mitarbeitende für das umsichtige Handeln und das große Engagement zur Sicherung des Betriebes, wo immer dies im Abgleich mit der Fahrgastsicherheit vertretbar war.

Interview: Eva Fischer, NAH.SH